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Fragen und Antworten

 

 

Die Strompreise steigen seit zwei Jahren stetig. Sind die Gesetze des Wettbewerbs auf dem deutschen Strommarkt ausser Kraft gesetzt?

Nein, steigende Preise sind kein Indiz für Marktversagen. Bei relativ elastischer Nachfrage wie man Sie auf den Strommärkten vorfindet, detaminieren in einem funktionierenden Markt vor allen Dingen die Kosten den Preis. Da diese auf Strommärkten ständig in Bewegung sind, gilt dies auch für den Preis.


Die Strompreise an der Strombörse EEX in Leipzig haben sich von Sommer 2000 bis Sommer 2005 fast verdreifacht. Kann die Erhöhung der Preise für Öl und Gas diese Strompreisentwicklung wirklich erklären?

Zum Teil ja, denn Brennstoffpreise sind Teil der variablen Kosten. Deutschland ist in die Liberalisierung mit enormen Überkapazitäten an Energie gegangen, so dass der Wettbewerb nur Strompreise in Höhe der kurzfristigen varriablen Kosten erlaubt hat. Inzwischen jedoch nach 5 Jahren der Marktöffnung sind grosse Teile der Überkapazitäten abgebaut worden. Die Preise sind durch eine Verknappung der Recourcen mittlerweile auf einem Niveau angelangt, das auch Investitionen in neue Kraftwerke rechtfertigt, wie sie in den nächsten Jahren anstehen. Öl und Gas Preise tragen natürlich zu diesem Energiepreisanstieg bei, jedoch ökonomisch gesehen eben nur zum Teil.


Welchen Einfluss hat der Preisanstieg für die Kohlendioxyd Emissions-rechte auf den Strompreis?

Etwa 95 Prozent der aktuellen Strompreisbewegung ist auf die Preis-entwicklung der Kohlendioxyd Zertifikate zurückzuführen. Die Strom produzierenden Energieversorger überwälzen die Preise für Zertifikate auf den Strompreis.


Gibt es eine ökonomische Rechtfertigung für die Überwälzung der CO2 Zertifikatepreise, denn diese wurden kostenlos zugeteilt?

Ja, da der Zertifikatepreis Teil der varriablen Kosten ist, muss er auch preiswirksam sein. Die Zertifikate haben ja einen Wert, aktuell rund € 25,--/ Tonne Kohlendioxyd. Und der Verzehr dieses Wertes verursacht echte varriable Kosten, ganz unabhängig von dem Zuteilungs-verfahren der Zertifikate.


Andere energieintensive Branchen, die ebenfalls am Zertifikatehandel teilnehmen, in denen jedoch starker Wettbewerb herrscht, können hingegen die Preise der Zertifikate nicht einfach überwälzen. Ist das eine Zeichen für unzureichenden Wettbewerb in der Stromwirtschaft?

Nein, in wettbewerblichen Märkten hängt die Frage, ob Zertifikate-preise oder zum Beispiel auch Steuern übergewälzt werden können, von der Elastizität der Nachfrage ab. Diese kann in unterschiedlichen Branchen differieren. Auf Strommärkten ist sie jedoch eher gering, so dass eine Überwälzung folgerichtig ist und auch so in der Wirtschafts-wissenschaft prognostiziert wird.


Heute kostet die Vermeidung einer Tonne CO2 Emissionen weit weniger als € 25,--. Warum kaufen die Energieversorger trotzdem Zertifikate, anstatt in Klimaschutz zu investieren, wie es eigentlich von der Idee des Emissionsrechtehandels vorgesehen ist?

In der Tat überrascht die Höhe der Zertifikatepreise, denn die CO2 Vermeidungskosten erscheinen zumindest langfristig geringer zu sein. Eine mögliche Erklärung ist, dass CO2 Einsparungen kurzfristig vor allen Dingen durch Substitution von Brennstoffen erreicht werden, z. B. von Kohle durch Erdgas. Dies kann in der Tat zu kurzfristig höheren Preisen führen. Zudem gibt es Unsicherheiten über die zukünftigen Klimaziele im Rahmen des Emissionshandels, so dass Investitionen mit längerem Planungshorrizont bedingt verfolgt werden.


Ist die Förderung erneuerbarer Energien sinnvoll?

Ja. Die Frage ist nur wie. Einspeisevergütungen wie wir Sie heute in Deutschland haben, sind teuer, können aber Sinn machen, solange man Forschung und Innovation unterstützen möchte. Aber mittelfristig ist es wichtig sich auf kosteneffiziente Realisierung der für das Klima relevanten Mengenziele zu konzentrieren, und daher den Übergang zu einer marktgerechten und anreizbasierten Förderung Schritt für Schritt zu vollziehen. Dabei müsste der Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energien an den wettbewerblichen Strommarkt herangeführt und schliesslich integriert werden.