In In Deutschland
wurden im April 1998 mit dem Energiewirtschaftsgesetz
(EnWG) die leitungsgebundenen Energiemärkte Strom
und Gas liberalisiert und für den Wettbewerb geöffnet.
Zielsetzung der Marktöffnung war es durch höhere
Markttransparenz eine Stärkung der Wettbewerbsintensität
zu erzielen und mit ihr eine Senkung der Energiepreise
für Endabnehmer zu realisieren.
Jeder Anbieter in Deutschland von
elektrischer Energie sollte im Prinzip an jeden Abnehmer
in Deutschland kompetitiv Strom verkaufen können
um so mit den inflexibel aufgestellten Gebietsmonopolisten
in Wettbewerb treten zu können.
Schnell drängten viele neue
Anbieter auf den Markt und machten die Strom-kunden
mit den unterschiedlichsten Vermarktungskonzepten aufmerksam
auf die Vorzüge ihrer Energie. Die Energiepreise
sanken deutlich. Doch nach hoffnungsvollem Start kam
der Wettbewerb mindestens so rasch wieder zum Erliegen.
Es wurde deutlicher: den konsolidierten verbliebenen
vier zentralen Energieversorgern E.on, RWE, EnBW und
Vattenfall gehören 85 Prozent der deutschen Kraftwerke
und ein Grossteil des Netzes.
In den Folgejahren setzten die Konzerne
auf friedliche Koexistenz. Neue, den Wettbewerb suchende
Anbieter scheiterten mit Ihren Vertragsofferten meist
an hohen Netzzugangsgebühren, die bis dato keiner
wettbewerbsfördernden Regulierung unterlagen. Durch
mangelnden Wettbewerb, den globalen Anstieg der Rohstoffpreise
sowie die Einpreisung von Emissionszertifikaten kletterten
die Strompreise in den Folgejahren weit über das
Preisniveau wie zu Zeiten vor der Liberalisierung.
Heute, rund acht Jahre nach der Marktöffnung
zahlen Industrie, Handel und Gewerbe in Deutschland
die höchsten Strompreise in der EU. Die Konsequenz
ist in den Bilanzen der börsennotierten Energieversorger
deutlich abzulesen. Milliardengewinne sprudeln seit
Jahren und füllen die "Kriegskassen"
der Stromkonzerne. Die Aktionäre freuen sich, der
Mittelstand ärgert sich.
Seit Jahren gibt es einen Verteilungskampf,
der an Schärfe zunimmt. Unternehmen und ihre Verbände
fordern eine weitgehende Liberalisierung. Unterstützt
werden sie vom Bundeskartellamt. Stromkonzerne und Politiker
auf der anderen Seite wiegeln ab und treiben immer wieder
Keile in die Liberalisierung. Während Erzeugung
und Vertrieb halbwegs liberalisiert sind, befinden sich
die Stromnetze noch im Monopol. Alle Versuche der freiwilligen
Regelungen (Verbändevereinbarungen) sind kläglich
gescheitert. Eine neue Regulierungsbehörde soll
nun wie in der Telekommunikation Preise und Missbrauch
überwachen.
Der Druck auf die Strompreise wird
stetig wachsen. Unabhängige Energie-lieferanten
gewinnen zunehmend Vorteile, da sie im Vergleich zu
den Strom-konzernen schlankere Strukturen aufweisen
und die Sprache des Mittelstands besser beherrschen
als die ehemaligen Gebietsmonopolisten.
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